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20363- DE

BÖNNIGHEIM (msc) Textilprodukte aus synthetischen Fasern, veredelten Stoffen oder gefärbten Materialien geben während ihres gesamten Lebenszyklus textile Fragmente an die Umwelt ab. Mit der neuen DIN SPEC 19296 bietet Hohenstein erstmals ein standardisiertes, ganzheitliches Prüfverfahren, um zu untersuchen, wie sich diese Fragmente im Boden verhalten. Wie sie dort reagieren und welche ökologischen Auswirkungen sie haben, war bislang weitgehend unklar.

Ganzheitliches Prüfverfahren

Im Fokus stehen textile Produkte und ihre Fragmente, wie sie durch Nutzung, Abrieb oder Entsorgung in die Umwelt gelangen. Die Prüfungen erfolgen in standardisierter Erde unter definiertem Normklima und dauern bis zu 180 Tage. Dabei fließen verschiedene Messgrößen ein: So wird in einem Respirometersystem ermittelt, wie viel Sauerstoff Bodenmikroorganismen beim Abbau der Materialien verbrauchen, um den biologischen Abbau der Textilfragmente zu berechnen. Ergänzend werden nach der Biodegradation Kressesamen in der Erde mit den verbliebenen Rückständen ausgesät, um mögliche Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum zu untersuchen. 

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist der Test mit Regenwürmern, die aufgrund ihrer hohen Empfindlichkeit gezielt als Bioindikatoren eingesetzt werden. Anhand von Überlebensrate und möglichen Masseverlusten lässt sich bewerten, ob die abgebauten Textilfragmente oder verbleibende Rückstände eine toxische Wirkung im Boden entfalten. Der ganzheitliche Ansatz zeigt damit nicht nur, ob Materialien biologisch abgebaut werden, sondern auch, ob dabei Rückstände entstehen, die Pflanzen oder Bodenorganismen schädigen könnten. 

Praxisrelevanz und Mehrwert

„Textile Fasern und Fragmente gelangen nicht nur beim Waschen, sondern auch beim Tragen in die Umwelt“, sagt Hohenstein-Projektleiterin Juliane Alberts. „Mit der DIN SPEC 19296 können wir erstmals unter realitätsnahen Bedingungen prüfen, wie sich verschiedene textile Fragmente im Boden verhalten. So machen wir ein unsichtbares Thema sichtbar und liefern einen Mehrwert für die Entwicklung nachhaltigerer textiler Produkte.“ Mit der DIN SPEC 19296 können Unternehmen verschiedene textile Produkte am Markt hinsichtlich ihrer Umwelteinwirkung im Kontext des potenziellen Faserverlustes vergleichen. Gleichzeitig ermöglicht sie, irreführende Aussagen wie „kompostierbar“ kritisch zu hinterfragen.

Gemeinsam entwickelt – öffentlich zugänglich

Die DIN SPEC 19296 wurde von Hohenstein gemeinsam mit Industriepartnern entwickelt und ist öffentlich zugänglich. Sie vereint die Bewertung der biologischen Abbaubarkeit mit ökotoxikologischen Tests. So lässt sich feststellen, ob der Boden nach dem Abbau von textilen Fragmenten belastet ist oder weiterhin als Lebensraum für Pflanzen und Organismen fungiert.
Die Ergebnisse helfen, die tatsächlichen Umweltfolgen des textilen Faserverlusts besser einzuschätzen, geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten und Materialien mit geringerem umweltschädlichen Faserverlust für die Textilindustrie zu entwickeln. 

Über Hohenstein

Hohenstein ist ein Familienunternehmen mit mehr als 80 Jahren Erfahrung in den Bereichen Prüfen, Zertifizieren und Forschen. Mit Wurzeln im textilen Sektor umfasst das Hohenstein Prüfspektrum heute sowohl Softlines, Hardlines und Medizinprodukte. Rund um den Globus arbeiten ca. 1.500 Beschäftigte an Prüf- und Serviceangeboten wie etwa Schadstoff-Prüfungen, Performance-Testing oder Passform-Prüfungen. Kundinnen und Kunden aus aller Welt erhalten alles aus einer Hand: Hohenstein begleitet Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Prüfverfahren über die Zertifizierung bis hin zur Vermarktung ihrer Produkte. Das Hohenstein Team ist kompetenter Ansprechpartner, wenn es um nachhaltigere Materialien, Produkte und Prozesse geht. Als Gründungsmitglied ist Hohenstein eines der wichtigsten Labore für OEKO-TEX®, dem weltweit führenden Zertifizierer von Textil- und Lederwaren. Im Bereich Aus- und Weiterbildung stellt die Hohenstein Academy neben einem Präsenzschulungsangebot auch Online-Schulungen bereit.

www.hohenstein.com

Pressebilder

Das Respirometersystem misst, wie viel Sauerstoff die Bodenmikroorganismen beim Abbau eines Materials verbrauchen. So lässt sich bestimmen, wie schnell und vollständig das Material biologisch abgebaut wird. © Hohenstein
Die Prüfverfahren der DIN SPEC 19296 zeigen, ob der Boden nach dem Abbau der textilen Fragmente belastet ist oder weiterhin als Lebensraum für Pflanzen und Organismen funktioniert. © Hohenstein